
Mir sind meine alten Unterlagen des Digital Legal Counsel Lehrgangs in die Hände gefallen. Wozu es gut sein kann, wenn man ein neues Büro ausstattet!
Darunter war ein Sonderheft von T3N aus 2018 mit dem Titel "Inside Blockchain, Einsteiger-Guide zur Technologie, die unsere Wirtschaft verändert". Daraus habe ich die obere Darstellung zum Verständnis der Blockchain-Technologie übernommen, die immer noch am verständlichsten ist.
Immer noch ist diese Technologie aktuell und vielleicht mehr den je, wenn wir die Entwicklungen bei den Kryptowährungen (Bitcoin, Etherum & Co.) der letzten Jahre betrachten, die ja auch auf Blockchain basieren. Wer zumindest mal eine Idee bekommen will, welche Kryptowährungen existieren, der findet bei Coin360.com sogar eine visuelle Übersicht zu bestehenden, handelbaren Kryptos.
Datenschutz in der Blockchain?
Die Blockchain-Technologie wird oft als revolutionär angesehen, insbesondere eben in Bereichen wie Kryptowährungen, Lieferkettenmanagement oder digitalen Identitäten. Doch während ihre dezentrale und manipulationssichere Struktur zahlreiche Vorteile bietet, wirft sie auch erhebliche datenschutzrechtliche Fragen auf. Insbesondere im Kontext der DSGVO und anderer Datenschutzgesetze stellt sich die Frage, wie Blockchain mit dem Schutz personenbezogener Daten vereinbar ist.
In diesem Beitrag beleuchte ich einige Aspekte und sehe einige Chancen der Blockchain für den Datenschutz.
1. Dezentralität und Manipulationssicherheit
Blockchain speichert Daten in einem dezentralen Netzwerk, das durch kryptografische Verfahren gesichert ist. Diese Struktur macht es nahezu unmöglich, Daten zu manipulieren oder unautorisiert zu ändern. Dies schafft Vertrauen in die Integrität der gespeicherten Informationen.
2. Transparenz bei gleichzeitiger Anonymität
Transaktionen in der Blockchain sind transparent und nachvollziehbar, ohne dass persönliche Informationen offengelegt werden müssen. Technologien wie Zero-Knowledge-Proofs ermöglichen es, Transaktionen zu verifizieren, ohne sensible Daten preiszugeben.
3. Anwendungen im Identitätsmanagement
Blockchain-basierte digitale Identitäten können Nutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgeben. Sie entscheiden, welche Informationen sie teilen möchten – ein Konzept, das beispielsweise im Gesundheitswesen oder bei digitalen Identitäten Anwendung findet.
Natürlich hat alles auch eine Kehrseite. Es gibt zahlreiche Herausforderungen im Datenschutz.
1. Unveränderlichkeit der Daten
Ein zentrales Merkmal von Blockchains ist ihre Unveränderlichkeit. Während dies für die Datensicherheit von Vorteil ist, stellt es ein Problem dar, wenn personenbezogene Daten irrtümlich oder rechtswidrig gespeichert werden. Die DSGVO fordert jedoch das Recht auf Löschung (Art. 17 DSGVO), was in einer Blockchain nur schwer umzusetzen ist.
2. Pseudonymisierung statt Anonymisierung
Obwohl Daten in der Blockchain oft pseudonymisiert werden (z. B. durch Hashes), können sie unter Umständen wieder einer Person zugeordnet werden – etwa durch die Verknüpfung mit anderen öffentlich zugänglichen Informationen. Somit könnte eine Zuordenbarkeit bestehen, die zu Schwierigkeiten führen kann.
3. Verantwortlichkeit bei dezentralen Systemen
In einer dezentralen Blockchain ist es schwierig, einen Verantwortlichen für die Datenverarbeitung zu benennen, wie es Datenschutzgesetze vorschreiben (Art. 4 DSGVO). Dies kann zu rechtlichen Unsicherheiten führen.
Die Lösungsansätze für datenschutzkonforme Blockchains sind bekannt und wenig überraschend, wenn man sich länger mit Datenschutz beschäftigt hat.
1. Privacy by Design und Privacy by Default
Bei der Entwicklung von Blockchain-Anwendungen sollten Datenschutzmaßnahmen von Anfang an integriert werden (Privacy by Design). Standardmäßig sollten datenschutzfreundliche Einstellungen (Privacy by Default) verwendet werden, um personenbezogene Daten zu minimieren.
2. Anonymisierungstechniken
Um den Anforderungen der DSGVO gerecht zu werden, können Anonymisierungstechniken eingesetzt werden. Beispielsweise könnten Transaktionen so gestaltet werden, dass sie nicht mehr eindeutig einer Person zugeordnet werden können.
3. Einsatz von kryptografischen Verfahren
Technologien wie Zero-Knowledge-Proofs, Verschlüsselungen oder sichere Mehrparteienberechnungen können dazu beitragen, personenbezogene Daten besser zu schützen und gleichzeitig die Integrität der Blockchain zu gewährleisten. Ein technisches Spannungsfeld, das lösbar ist, aber Mehraufwand bedeutet.
4. Datenschutz-Folgenabschätzungen (DSFA)
Vor der Einführung einer Blockchain-Anwendung sollte geprüft werden, welche Risiken für den Datenschutz bestehen und wie diese minimiert werden können (Art. 35 DSGVO). Dazu ist eine DSFA gesetzlich vorgeschrieben und auch sinnvoll.
Fazit
Blockchain-Technologie bietet enorme Potenziale für den Datenschutz, insbesondere durch ihre Dezentralität und Manipulationssicherheit. Gleichzeitig stehen Entwickler und Unternehmen vor großen Herausforderungen, insbesondere bei der Umsetzung von Betroffenenrechten wie dem Recht auf Löschung oder Berichtigung.
Die Zukunft liegt in innovativen Ansätzen wie Privacy by Design, Anonymisierungstechniken und kryptografischen Verfahren. Nur so kann die Technologie ihr volles Potenzial entfalten und gleichzeitig den hohen Anforderungen moderner Datenschutzgesetze gerecht werden.
Blockchain und Datenschutz müssen nicht im Widerspruch stehen – sie können sich gegenseitig ergänzen und neue Standards für eine sichere und transparente Datenverarbeitung setzen.
An dieser Stelle ist es dringend anzuraten Juristen und Datenschützer schon frühzeitig bei der Entwicklung der Technologien ins Boot zu holen. Das bietet Schutz und Chancen und ist ein idealer Anwendungsbereich für einen Interimsjuristen.
Old documents resurface: Digital Legal Counsel course materials
I recently came across my old materials from the Digital Legal Counsel training program. It’s fascinating how useful they can be, especially when setting up a new office!
Among these, I found a special 2018 issue of T3N titled "Inside Blockchain: A Beginner's Guide to the Technology Transforming Our Economy." From this, I borrowed the visual representation of blockchain technology, which remains one of the clearest explanations to date.
Blockchain is still highly relevant today—perhaps more than ever—when we consider the developments in cryptocurrencies like Bitcoin, Ethereum, and others over the past few years, all of which are based on blockchain. For those curious about the variety of cryptocurrencies out there, Coin360.com offers a visual overview of existing and tradeable cryptos.
Data Protection in Blockchain
Blockchain technology is often hailed as revolutionary, especially in areas like cryptocurrencies, supply chain management, and digital identities. However, while its decentralized and tamper-proof structure offers numerous advantages, it also raises significant data protection concerns. In particular, questions arise about how blockchain aligns with data protection laws such as the GDPR.
In this post, I’ll explore some key aspects and opportunities blockchain presents for data protection.
Opportunities for Data Protection with Blockchain
1. Decentralization and Tamper-Proof Security
Blockchain stores data in a decentralized network secured by cryptographic methods. This structure makes it nearly impossible to manipulate or alter data without authorization, fostering trust in the integrity of stored information.
2. Transparency with Anonymity
Blockchain transactions are transparent and traceable without exposing personal information. Technologies like Zero-Knowledge Proofs allow transactions to be verified without revealing sensitive data.
3. Applications in Identity Management
Blockchain-based digital identities can give users control over their personal data. Individuals decide what information to share—a concept particularly useful in healthcare or digital identity systems.
Challenges for Data Protection
1. Immutability of Data
A defining feature of blockchain is its immutability. While beneficial for data security, this poses a problem when personal data is stored incorrectly or unlawfully. The GDPR’s *right to erasure* (Article 17) is difficult to implement in such systems.
2. Pseudonymization vs. Anonymization
Although blockchain often pseudonymizes data (e.g., using hashes), it may still be possible to re-identify individuals by linking it with other publicly available information.
3. Accountability in Decentralized Systems
In decentralized blockchains, identifying a responsible party for data processing can be challenging, as required by GDPR (Article 4). This creates legal uncertainties.
Solutions for GDPR-Compliant Blockchains
1. Privacy by Design and Privacy by Default
Privacy measures should be integrated into blockchain applications from the start (*Privacy by Design*). Default settings should minimize personal data usage (*Privacy by Default*).
2. Anonymization Techniques
To meet GDPR requirements, anonymization techniques can be used to ensure that transactions cannot be linked back to individuals.
3. Advanced Cryptographic Methods
Technologies like Zero-Knowledge Proofs, encryption, or secure multi-party computation can enhance data protection while maintaining blockchain integrity. These solutions are technically feasible but often require significant effort.
4. Data Protection Impact Assessments (DPIA)
Before implementing a blockchain application, risks to data protection should be assessed and mitigated through a DPIA (Article 35 GDPR). This step is both legally required and practical.
Conclusion
Blockchain technology offers immense potential for improving data protection through its decentralized and tamper-proof nature. However, developers and organizations face significant challenges in addressing user rights such as data erasure or correction.
The future lies in innovative approaches like Privacy by Design, anonymization techniques, and advanced cryptographic methods. These not only unlock the full potential of blockchain but also ensure compliance with modern data protection laws.
Blockchain and data protection don’t have to conflict—they can complement each other to set new standards for secure and transparent data processing.
Early involvement of legal experts and privacy professionals during development is highly recommended to balance risks and opportunities effectively. This offers protection and opportunities and is an ideal area of application for an interim legal counsel.